rot.
Aber nicht nur rot. Das gefällt mir daran, es ist eine komplexe farbe und die zieht mich an. rot~orange~rost~rosa~blut. Einzigartig. Deswegen sagt man auch „backsteinrot“ dazu und jede weisst was gemeint ist. Nicht eine bestimmte farbe sondern eine ganze palette von möglichkeiten die alle in backsteine zu finden sind.
Ich finde backsteine sexy. Auch wenn ich geschlossene augen habe. Dann komm ich ganz nah an der nackte mauer, zum beispiel in einem obstgarten, morgens früh, im nassen august, an der mauer ist das grass höher und durchmischt mit kleine piecksigen brombeer äste, ich komme ganz nah und lege meine hände auf die saftigen backsteine. Ich spüre den regelmässigen muster: fläche, vertiefte rille – das ist der bröselige mörser. Mit dem zeigefinger gehe ich zwischen den backsteinen entlang, der mörser bröselt, es ist weich, löst sich ab und sammelt sich unter mein fingernagel, es rieselt. Ich reibe, ich umfasse einen einzigen backstein in diesem geordneten meer von backsteine, umfasse es mit den fingern, stecke meine finger in der rille drum herum spüre ich wie ich millimeter für millimeter tiefer eindringe weil der alte feuchte mörser rieselt runter. Jetzt spüre ich wie dieser staub mein knie streift, wie eine kleine windbrise die von oben nach unten weht, es streift mein knie und dann hängt es fest an den haaren auf meine schienbeine. Die haare werden grau, dort hängt der mörserstaub wie schnee auf dunkle äste im winter. Irgendwie fühle ich jetzt den gewicht vom staub auf jeden haar und es gefällt mir, es kitzelt, als würde mich die mauer auch streicheln.
Ich komme noch näher, mit dem ganzen körper schliesse ich die wenige zentimeter die uns trennen. Ich lehne mich an der mauer und lege meine wange auf die backsteine wie auf eine frisch bezogene matraze. Die backsteine sind rau wenn ich mit dem kopf „ja“ mache, auch so merke ich wann ich über die rillen streife weil dort ist es dann leer... oder besser gesagt an den stellen kann meine dicke wange hinein gedrückt werden in diesem kleinen raum zwischen den backsteine, hinein und wieder hinaus gezwungen über die harten ränder der steine, die hinterlassen kratzer auf die wangen sie werden röter und empfindlicher. Rot und rot, echo der farben von meine haut und die feuchte mauer. Ich lasse den backstein nicht los, meine finger stecken noch. Ich halte mich fest, ziehe mich hoch und runter. Sicher wird mein hemd dreckig.
„Backstein“, flüstere ich, und ich spüre die bewegung meiner lippen auf dem backstein wenn ich ihr namen leise ausspreche. Ich drücke mein gesicht fester gegen sie. Langsam strecke ich die zunge raus und tippe das rosa~ stein. Es ist wie ein elektrischen schlag, ein adrenalin schuss, ab jetzt will ich nur mehr. Das wasser läuft in mein mund zusammen, ich bin eine unerschöpfliche quelle, der speichel fliesst auf meine zunge und sie streicht es auf den backsteine. Die zunge macht sich breit, versucht mit einem zug den ganzen stein abzulecken, sie quillt, sie schleift. Mit voller hingabe lecke ich stein für stein und schlucke den staub. Zärtlich dringt die zungenspitze in den rillen und befeuchtet den schon feuchten alten mörser, sie entnimmt kleine staub kügelchen die mit speichel kleben, zieht es in mein mund rein. Dort wird es gelutsch, zersetzt, geschluckt.
Meine wangen, meine hände,meine zunge sind angeschwollen ihre farben schimmern rot~rosa~blut~backstein, sie schicken mir genüssliche wellen.
Wie lange noch? Wieviel zeit bleibt noch? Bitte! ich möchte es bis zur letzten sekunde so weitermachen.